Uni - ein faschistischer Nährboden?
Wie haben sich autoritäre Strukturen an Universitäten verändert und inwieweit nimmt unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit faschistisches Gedankengut immer noch seinen Platz an der Uni ein? Ein kurzer Rück- und Einblick in universitäre Strukturen.
Dass Universitäten als Sammelbecken linker und progressiver Ideen gesehen werden, ist ein relativ neuer Trend, der sich erst in den letzten Jahren entwickelt hat. So gab es, zum Beispiel erst 1995 einen „linken“ Vorsitz in der Österreichischen HochschülerInnenschaft. Noch in den 50er und 60er Jahren dominierten rechtskonservative und rechtsextreme Positionen die deutschsprachigen Universitäten. So erlangte der RFS (Ring freiheitlicher Studenten) gleich nach seiner Gründung auf Anhieb 32,1% der Stimmen bei den ÖH-Wahlen 1953.
Uni im Nationalsozialismus
Die NSDAP hatte es in wenigen Jahren geschafft, die Universität zu ihrer Forschungs- und Lehrstätte zu machen. Professoren wie Konrad Lorenz wurden gefördert, ihre Schriften, die eine „Ausmerzung ethisch Minderwertiger“ forderten, zu verfassen und weiterzuverbreiten. Aber nicht nur das, diese wurden auch als wissenschaftliche Bestätigung und zum Aufzeigen der „Notwendigkeit“ von rassistischer und antisemitistischer Politik, verwendet.
Nach dem Ende der faschistischen Gewaltherrschaft in Österreich und Deutschland wurde noch in den Jahren 1945/46 mit der „behördlichen“ Entnazifizierung begonnen. Dabei wurden durchschnittlich 2,5% der Studierenden an den Wiener Universitäten vom Studium ausgeschlossen – und an der philosophischen Fakultät der Universität Wien reduzierte sich der Lehrstab auf 46 (18,5%) von ursprünglich 249 Lehrenden. Durch die Einrichtung der Institutionen „Minderbelastete“ und „Jugendamnestie“ waren bereits wenige Jahre später (1949/50) 60% der ordentlichen ProfessorInnen die auch während der NS-Zeit unterrichteten, wieder an der Uni.
Braune Flecken
Auch wenn sich vieles an den Unis verändert hat, sind viele Artefakte faschistischer Ideologie erhalten geblieben. Vor allem zu Zeiten der schwarz-blau-orangen Regierung bemühte sich insbesondere die FPÖ ihre AnhängerInnen in die verschiedensten Universitätsgremien zu hieven. Wie zum Beispiel Gerhard Pendl, der 2003 von Schwarz-Blau in den Unirat der Medizinischen Universität Wien entsandt wurde, aber aufgrund seiner Grabrede für den NS-Luftwaffenoffizier Nowotny im November 2006 wieder abberufen wurde.
Darüber hinaus werden Denkmale faschistischer Ideologie, wie zum Beispiel der „Siegfriedskopf“ an der Uni Wien, erneuert und trotz stärkster Proteste immer noch ausgestellt. Der Siegfriedskopf wurde von der deutschen Studentenschaft die seit 1919 der Dachverband für reichsdeutsche, sudetendeutsche und österreichische Studenten war, aufgestellt. Als „Denkmal eines Helden“ bezeichnet, ist er in Wahrheit ein rassistisches und antisemitisches Symbol.
Männerbünde bekämpfen!
Weiters stellen männerbündische Korporationen einen Hort faschistischen Gedankenguts dar. Diese werden als ideologische „Bildungsstätte“, aber auch als Rekrutierungspotential für rechte Parteien verwendet. Vor allem die freiheitliche Partei sucht und findet ihr Führungspersonal vorwiegend im korporiertem Milieu.
Prinzipiell kann zwischen den (rechts-)katholischen Korporationen, wie dem CV (Cartellverband) oder dem MKV (Mittelschüler-Kartellverband) und den deutschnationalen Verbindungen wie Corps, Burschenschaften, Landsmannschaften und Sängerschaften unterschieden werden. Durch die große Vielfalt lassen sich schwer verallgemeinernde Ableitungen treffen. Allerdings gibt es allein in Wien 21 Korporationen, die sich zum Wiener Korporationsring (WKR) zusammengeschlossen haben. Darunter stechen besonders die „Grenzlandsmannschaft Cimbria“ und die Burschenschaft „Olympia“ als rechtsextreme Verbindungen hervor.
Heribert Schiedl (Experte des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes) beschreibt Burschenschaften als „weitgehend resistent gegenüber programmatischen Erneuerungen“, sogar in den eigenen Kreisen werde jeder Wunsch nach Innovation als Verrat an den „deutschen“ Gedanken wahrgenommen. Dies führt dazu, dass viele Burschenschaften – auch heute – rechtsextremes und nationalsozialistisches Gedankengut weitergeben.
Nicht zuletzt darum müssen wir aktiv für die Bekämpfung jener Korporationen eintreten, in denen solche Ideologien verbreitet werden. Unsere Uni muss sich endlich von faschistischem Gedankengut befreien!
Juliane Soyka studiert Wirtschafts- und Politikwissenschaft