Faschismus ankreiden!

Selbst wenn Nazis heute unter anderen Namen auftreten, sie Rechtsextreme oder RassistInnen genannt werden, so ist eines klar: der heutige Rechtsextremismus ist Neofaschismus und damit Fortführungen derselben menschenverachtenden Ideologie wie vor 70 Jahren. Und so müssen abwechselnd verschiedene ethnische und religiöse Gruppierungen als „Ersatzobjekt Jude“ herhalten, und selbst wenn diese Nazis noch so offensichtlich in dieselbe Kerbe wie vor 70 Jahre schlagen, sind sie doch akzeptiert und toleriert. Und gerade das macht deutlich: Der Widerstand gegen Faschismus ist 70 Jahre nach 1938 immer noch notwendig. Er darf kein Ablaufdatum haben.

Doch von Widerstand gegen die Rechten ist im Moment wenig zu spüren: Anbiederung hier, Verharmlosung dort. Der rechte Rand ist schon längst in der Mitte angelangt und Rassismus kann absolut als Massenphänomen bezeichnet werden.Die Feindbilder des Neofaschismus werden ebenso unreflektiert übernommen wie dessen Ideale. Und die Bevölkerung scheint in einem Zustand der völligen Gleichgültigkeit zu verharren. Wie sonst könnte doch ein FPÖ-Plakat mit der Aufschrift „Daham statt Islam“ nirgends länger als zwei Tage hängen. Versteckter, aber genauso vorhanden, ist der ständige Verbreitung des Nazi-Ideals Mutter. In letzter Zeit mehren sich die Stimmen gegen die unabhängige, starke und feministisch geprägte Frau. Die rechtskonservative Politik der letzten Jahre hat ihren Teil dazu beigetragen und die Frauen sukzessive zurück gedrängt. Wir wollen aber keine blonden, mütterlichen und braven Frauen sein - der nationalsozialistischen Gehalt solcher Ideale darf nicht unter den Tisch gekehrt werden. Anstatt gezielt den nationalsozialistischen Idealen, dem Fremdenhass und Nationalismus ihren Nährboden zu entziehen, Integrations- statt Ausgrenzungspolitik zu betreiben, ziehen fast alle Parteien los um auf rechten Stimmenfang zu gehen und neue Ängste und neuen Hass zu schüren.

Faschismus die Stirn bieten

Die Aufgabe, Faschismus in seinen vielen Facetten zu bekämpfen, ist eine wichtige staatliche Verantwortung und kann nicht nur an Schulen, Jugendzentren und NGOs delegiert werden. Klar, Jugendarbeit ist gerade dann entscheidend, wenn es darum geht, gegen Faschismus zu „immunisieren“. Hand in Hand damit geht aber auch ein striktes Bekenntnis, neonazistische Verbindungen von sämtlichen Strukturen fern zu halten, in denen sich junge Menschen versammeln. Nationalsozialistisches Gedankengut soll erst gar keinen Platz finden, gestreut werden. Wichtig ist natürlich auch ein Umdenken in der Schule. Ausflüge nach Mauthausen sind nicht genug, kulturelles und gemeinsames Lernen muss gelebt werden um dem Hass auf Dauer den Boden zu entziehen.

Faschismus ankreiden

Wer aktiv gegen Faschismus auftritt, für die/den muss eines möglich sein: Dinge beim Namen zu nennen, Nazis auch Nazis zu nennen - doch in einer verlogenen Gesellschaft wie der unseren werden die schlimmsten Rechten plötzlich zu Lausbuben heruntergespielt. Heribert Schiedel warnt in seinem neuen Buch „der rechte Rand“ aber vor zu lauten Verbotsforderungen: „Je dämonischer die Neonazis gezeichnet werden, desto leichter können sie auch im Alltag den Beweis antreten, nicht die Menschenfressenden Bestien zu sein. Besser ist es, sie so zu zeichnen, wie sie in ihrer ganzen Banalität sind: Angstbeißer und ewige Spießer.“ (Heribert Schiedel „Der Rechte Rand“, Edition Steinbauer 2007) 

Eher als solche Spießer und nicht als Springerstiefel-tragende Skins erleben wir sie auch all zu oft in der Universität, oft genug in rauen Mengen. In den Jahren unter Schwarz-Blau/Orange erlebten die Burschenschaften ein neues Hoch: schließlich saßen plötzlich wieder die Rechten in wichtigen Positionen und konnten den Burschenschaftern damit auch in der Karriere unter die Arme greifen. An manchen Universitäten mehr, an anderen weniger - präsent sind sie immer, und sei es  auch „nur“ bei Sponsionsfeiern. Dass Nazis einfach so an den Universitäten ihren fremdenfeindlichen und faschistischen Mist abladen können, muss ein Ende haben, die Universitäten dürfen diesen Studenten keine Aktionsfläche bieten.

Keinen Platz den brauen Flecken

Aber nicht nur unter Studenten finden sich braune Spuren: auch die ProfessorInnen und damit die universitäre Lehre sind nicht frei von faschistischem Gedankengut. Dass die Universitäten FaschistInnen in der Lehre akzeptieren, kann kein Dauerzustand bleiben, die Entrüstung darüber muss wieder neu aufleben. Jeder Student und jede Studentin ist gefragt, sich hier lauthals zu Wort zu melden, Faschismus in der Lehre anzuprangern und dagegen aufzutreten.